x
Newsletter-Anmeldung

Schulmedizin und Naturheilkunde kombinieren

PD Dr. Nicole Bregenzer, Gastroenterologin, Tegernheim

PD Dr. Nicole Bregenzer,
Gastroenterologin, Tegernheim

Warum sind Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen für den Arzt eine besondere therapeutische Herausforderung?

Zum einen handelt es sich hier um eine chronische Erkrankung, die eine lebenslange Behandlung erforderlich macht. Zum anderen gibt es unterschiedliche Krankheitsverläufe und die Therapie muss ständig an die jeweilige Krankheitsaktivität angepasst werden. Krankheitsschübe und sogenannte Remissionen (krankheitsfreie Intervalle) wechseln sich ab. Die Behandlung hat zum Ziel, die Entzündungsprozesse zu verringern und damit die Beschwerden deutlich zu lindern sowie Rückfällen vorzubeugen.

Lassen sich Schulmedizin und Naturheilkunde hier kombinieren?

Bei leichtem bis mittelschwerem Verlauf werden z.B. bei der Colitis ulcerosa zur Behandlung von leichten Krankheitsschüben und zur Erhaltung der beschwerdefreien Phase in der Schulmedizin vorwiegend so genannte Aminosalicylate (Mesalazin, Sulfasalazin, Olsalazin) eingesetzt. Je nach den jeweils vorherrschenden Beschwerden können verschiedene pflanzliche Arzneimittel die Behandlung wirkungsvoll unterstützen. Darüber hinaus kann auch eine Lebensstilmodifikation im Bereich Ernährung, Bewegung und Entspannung oder eine mikrobiologische Therapie hilfreich sein. Die Herausforderung für den Arzt besteht darin, aus der Vielfalt der verfügbaren Möglichkeiten die Maßnahmen zu finden, die dem Patienten bei seinem aktuellen Beschwerdebild am besten helfen.

Welchen Stellenwert haben pflanzliche Arzneimittel in der Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen?

Pflanzliche Arzneimittel haben hier eine große Bedeutung, da sie gut verträglich sind und die Darmflora nicht schädigen. Somit sind sie für eine Langzeitanwendung wie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen besonders geeignet. Wichtig ist außerdem, dass pflanzliche Arzneimittel verschiedene aktive Inhaltsstoffe enthalten und somit mehrere Angriffspunkte haben. Das ist bei Erkrankungen mit unterschiedlichen Ursachen von großem therapeutischen Wert. Mit der Kombination verschiedener Heilpflanzen lassen sich außerdem Wirkungen vervielfachen und Nebenwirkungen minimieren. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen können - je nach Beschwerdebild - zum Beispiel Myrrhe und Kamille mit Flohsamen, Gelbwurz, Weihrauch oder auch Heidelbeermuttersaft eingesetzt und auch kombiniert werden. Synthetische Medikamente wie krampflösende Mittel, Durchfallpräparate oder Schmerzmittel (keine NSAR) sollten nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden.