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Pflanzliche Arzneimittel bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED)

Prof. Dr. med. Jost Langhorst, Leiter Integrative Gastroenterologie, Kliniken Essen-Mitte

Prof. Dr. med. Jost Langhorst,
Leiter Integrative Gastroenterologie, Kliniken Essen-Mitte

Wie bewerten Sie das Potenzial pflanzlicher Arzneimittel bei der Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Viele pflanzliche Medikamente halten „Schätze“ bereit, die es zu heben gilt. Gerade bei der Therapie von Durchfallerkrankungen, oftmals Hauptsymptom bei CED, haben sie eine lange und erfolgreiche Tradition. Dabei muss man allerdings genau unterscheiden, welches Phytotherapeutikum in welcher Situation mit welcher Dosierung zum Einsatz kommt. Und natürlich ist der Wirkmechanismus von hohem Interesse. Das gilt insbesondere für spezielle Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.

Zu Colitis ulcerosa haben Sie eine Studie durchgeführt, bei der ein pflanzliches Arzneimittel während der schubfreien Phase (Remission) mit dem synthetischen Standardmedikament Mesalazin verglichen wurde. Was haben Sie herausgefunden?

Mit der Studie haben wir erste wichtige Hinweise erhalten, dass die Therapie mit dem untersuchten pflanzlichen Kombinationsarzneimittel mit der Standardtherapie Mesalazin zur Erhaltung der schubfreien Phase vergleichbar wirksam war. Wir haben zudem sehr interessante Erkenntnisse darüber gewonnen, dass dieses vergleichbare Ergebnis durch verschiedene Wirkmechanismen erreicht wird.

Sie haben die Studienteilnehmer nach der Studie noch über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet. Was haben Sie dabei festgestellt?

80 Prozent der Teilnehmer waren weiterhin zufrieden mit der Wirksamkeit und Verträglichkeit des Pflanzenmedikaments. Kein Patient berichtete von relevanten Nebenwirkungen, was die Ergebnisse der ursprünglichen Studie bestätigt. Die positiven Ergebnisse sprechen dafür, dass die Pflanzenarznei eine vielversprechende Ergänzung der Behandlungsmöglichkeiten bei Colitis ulcerosa darstellen kann.

Auch zu den verschiedenen Wirkmechanismen der in der Vergleichsstudie eingesetzten Arzneien haben Sie inzwischen neue Ergebnisse. Was wurde hier beobachtet?

Die Pflanzenarznei wirkt im Vergleich zu dem chemischen Standardmedikament über einen anderen Mechanismus. Wir haben Hinweise darauf gefunden, dass die natürliche Reaktion des systemischen Immunsystems von dem pflanzlichen Arzneimittel - im Gegensatz zum chemischen Standardmedikament - nicht beeinflusst wird.

Was empfehlen Sie Patienten mit Colitis ulcerosa, die gerade zur dauerhaften Erhaltung der Beschwerdefreiheit auf pflanzliche Behandlungsansätze bauen?

Auf jeden Fall: Sprechen Sie erst mit Ihrem Arzt! Die Grundlage aller Therapieempfehlungen sollten die Leitlinien sein. Hier werden neben konventionellen Medikamenten beispielweise auch die pflanzlichen Medikamente Flohsamen und Curcumin (das allerdings in einer sehr hohen Dosierung) empfohlen. Zu Heidelbeeren wurden kürzlich erste vielversprechende klinische Daten publiziert. Durch unsere Studie mit einem pflanzlichen Arzneimittel, das unter anderem Myrrhe enthält, wird auch dieses Präparat bei der nächsten Überarbeitung in den Fokus der Leitlinien gerückt. Die wissenschaftlichen Untersuchungen solcher pflanzlichen Arzneimittel sind eine wesentliche Bedingung dafür.