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Reisedurchfall

Experteninterview mit Frau Dr. med. Bernharda Schinke, Praktische Ärztin mit Schwerpunkt Naturheilverfahren, Mainz

Frau Dr. Schinke

Reisedurchfall – Richtig vorbeugen & wirksam behandeln

Akuter Durchfall ist eine der häufigsten Erkrankungen auf Reisen: Etwa 20 - 50 % aller Reisenden leiden während einer Reise darunter. Meist wird der Reisedurchfall durch Bakterien ausgelöst, die der Reisende mit der Nahrung oder dem Trinkwasser aufnimmt. Durchfallerkrankungen kommen besonders häufig in Afrika und Asien im Bereich der Tropen vor. Bei einem mehrwöchigen Aufenthalt ist durchschnittlich jeder zweite Reisende betroffen. Auch wenn die Erkrankung bei normalem Verlauf meist nicht schwerwiegend ist, belastet sie den Betroffenen sehr und es gehen in der Regel drei bis fünf wertvolle Urlaubstage verloren. Statt Strand oder Besichtigungstour stehen dann plötzlich nur noch die sanitären Anlagen im Mittelpunkt des Geschehe

Wir sprachen mit Dr. med. Bernharda Schinke, Praktische Ärztin mit Schwerpunkt Naturheilverfahren, Mainz, über „Montezumas Rache“.

Frau Dr. Schinke, in der Urlaubszeit hat die Vorbeugung von Reisedurchfall in Ihrer Praxis sicher „Hochkonjunktur“ – was wollen die Urlauber wissen?

Allerdings, von Mai bis August spielen die Gesprächsthemen Reisevorbereitung und Begleitbehandlung eine große Rolle. „In welchen Ländern muss ich mit Reisedurchfall rechnen? Wie kann ich mich im Urlaub vor Durchfall schützen? Was soll ich machen, wenn es mich erwischt?“ Diese Fragen bespreche ich in der Reisezeit sehr oft mit meinen Patienten.

In welchen Urlaubsländern ist die Durchfallgefahr besonders hoch?

Vor allem in Indien und Ägypten ist das Durchfallrisiko besonders hoch. Aber auch bei Reisen nach Südamerika und Asien lohnt sich eine gute Vorbereitung. Wichtig ist dabei, vorbeugende Maßnahmen zu treffen und die richtige Reiseapotheke zusammenzustellen.

Was empfehlen Sie zur Vorbeugung von Reisedurchfall zuhause, also noch vor Antritt der Reise?

Kommen im Reiseziel Durchfall-Erreger von Typhus oder Cholera häufig vor, ist eine Impfung rechtzeitig vor Reiseantritt sinnvoll. Eine Impfung gegen alle Durchfall-Erkrankungen ist wegen der Vielfalt der Erreger leider nicht möglich.

Außerdem liefert die „Apotheke Mutter Natur“ zur Vorbeugung von Reisedurchfall wirksame Arzneipflanzen. Ich empfehle ein bis zwei Wochen vor Abflug die Verdauungsfunktion zu stärken. Zur Unterstützung des Magen-Darm-Trakts haben sich Arzneimittel mit Myrrhe bewährt, die auch im Urlaub weiter eingenommen werden sollten. Vor allem bei Patienten, die zu Verdauungsstörungen neigen, ist die zusätzliche Einnahme von lebenden Milchsäurekeimen zusätzlich zur Myrrhearznei auch schon ein bis zwei Wochen vor Reiseantritt sinnvoll.

Und wie lässt sich Reisedurchfall im Urlaub vorbeugen?

Ganz wichtig: Waschen Sie sich nach jedem Toilettengang und immer vor dem Essen gründlich die Hände. Eine weitere wirkungsvolle Regel lautet: „Gare es, schäle es oder verzichte darauf!“ Also essen Sie kein ungekochtes Gemüse oder ungeschältes Obst, denn hier lauern häufig die Durchfallerreger. Sie sollten besser auch auf den Konsum von Eiswürfeln und Leitungswasser verzichten und nur aus verschlossenen Flaschen trinken.

Die meisten meiner Patienten, die alle Empfehlungen zur Vorbeugung konsequent umsetzen, verbringen einen unbeschwerten, durchfallfreien Urlaub – dieses Feedback bekomme ich häufig und das freut mich natürlich, wenn ich als Hausärztin dazu beitragen kann, dass meine Patienten einen schönen Urlaub genießen konnten.

Nun habe ich aber doch Durchfall im Urlaub bekommen – was ist zu tun?

Trinken, trinken, trinken! Ideal sind Getränke, die nicht nur den Flüssigkeitsverlust ausgleichen, sondern dem Körper auch Salz und Mineralstoffe liefern. Fragen Sie am besten vor dem Urlaub Ihren Apotheker nach der „WHO-Lösung“ – und packen Sie dieses Elektrolytpulver in Ihre Reiseapotheke. Und wenn Sie schon in der Apotheke sind: Fragen Sie auch gleich nach pflanzlichen Arzneimitteln.

Synthetische Mittel werden aufgrund von Nebenwirkungen oft abgelehnt – welche pflanzlichen Alternativen empfehlen Sie?

Ich empfehle Arzneimittel beispielsweise mit Myrrhe, Gelbwurz, Kaffeekohle oder aus Flohsamen und Kamille. Es gibt auch gute Kombinationsarzneimittel, die verschiedene Arzneipflanzen enthalten, sodass sich die heilsamen Wirkungen gegenseitig verstärken. Außerdem sind Milchsäurebakterien eine gute Wahl, um das Milieu und die Abwehrkräfte des Verdauungssystems zu stärken.

Welche Vorteile bieten pflanzliche Arzneimittel?

Kurz gesagt: Gute Wirkung, die sich seit Jahrzehnten bewährt hat, wenig bis keine Nebenwirkungen und eine sehr gute Verträglichkeit.

Warum sind pflanzliche Arzneimittel mit Myrrhe bei Durchfall empfehlenswert?

Myrrhe wirkt desinfizierend und tötet die Krankheitserreger ab. Auch die entzündungshemmenden Wirkungen tragen zur Linderung der Durchfallbeschwerden bei, genauso wie die Gewebe-regenerierenden Eigenschaften der Myrrhe. Außerdem kann Myrrhe Darmkrämpfe lindern.

Was ist eigentlich mit dem bekannten Tipp „Cola & Salzstangen“ – hilft das wirklich bei Durchfall?

Nein, ganz im Gegenteil. Mit Salzstangen und Cola nimmt man möglicherweise übermäßig viel Salz und Zucker auf - und das kann den Durchfall verstärken. Außerdem kann der hohe Zucker- und Koffeingehalt der Cola den Darm reizen und die Beschwerden verschlimmern.

Was gehört in jede Reiseapotheke, um bestmöglich gegen „Montezumas Rache“ gewappnet zu sein?

In meiner „Anti-Reisedurchfall-Apotheke“ finden Sie: Elektrolytpulver „WHO-Lösung“, Präparate mit Milchsäurebakterien und ein pflanzliches Arzneimittel, das auch Myrrhe enthält.

Haben Sie noch einen „persönlichen Geheimtipp“ aus eigener Erfahrung?

Ich habe immer meine „Anti-Reisedurchfall-Apotheke“ dabei. Außerdem ernähre ich mich das ganze Jahr über vollwertig, sorge trotz langer Arbeitstage für ausreichende Entspannungsphasen und stärke dadurch mein Immunsystem. Eine gute Immunabwehr verhindert schwere Infekte und somit auch Antibiotikagaben. Wer selten oder nie ein Antibiotikum eingenommen hat, ist weniger anfällig für Reisedurchfälle.


Vielen Dank für das interessante Gespräch, Frau Dr. Schinke!