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Reizdarm – oft eine Odyssee für Patienten

PD Dr. med. Roman Huber, Leiter Zentrum Naturheilkunde, Uniklinik Freiburg

Interview mit PD Dr. med. Roman Huber, Leiter Zentrum Naturheilkunde, Uniklinik Freiburg

Der Gastroenterologe mit Zusatzausbildung in Naturheilverfahren arbeitet seit 16 Jahren an der Universitätsklinik Freiburg, wo er das Naturheilkundezentrum mit Ambulanz leitet.

Warum sprechen Sie von einer „Odyssee“ der Reizdarm-Patienten?

Die Patienten leiden oft an einer Vielzahl von Beschwerden und haben schon einen langen Weg hinter sich. Viele haben wegen ihrer Probleme schon verschiedene Ärzte aufgesucht und bringen zahlreiche Untersuchungsbefunde mit. In der Regel wissen sie aber trotz aller Unterlagen nicht, was Ihnen eigentlich fehlt. Sie leiden unter einem großen Problem der heutigen Medizin: Den Ärzten bleibt zu wenig Zeit für den einzelnen Patienten und darunter leidet auch die Kommunikation zwischen Fach- und Hausärzten.

Was ist bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms besonders wichtig?

Der behandelnde Arzt benötigt aufgrund der Vielfalt der Beschwerden bei unterschiedlichen Patienten viel Erfahrung. Es gibt keine einheitliche Therapie, sondern jeder Patient muss individuell behandelt werden. Die ärztliche Kunst liegt darin zu erkennen, zu welchem Zeitpunkt der Erkrankung und bei welchen Beschwerden welche Behandlungsmöglichkeiten sinnvoll sind. Dem einen hilft eine Umstellung der Ernährung, bei dem anderen stehen Maßnahmen zur Stressregulation im Vordergrund. Oft setzen wir je nach Beschwerdebild auch pflanzliche Arzneimittel ein, bei Durchfall kommen z.B. myrrhehaltige Mittel zum Einsatz und bei Verstopfung Flohsamen. Die richtige Kombination von Gespräch, Allgemeinmaßnahmen wie Ernährung und Entspannung sowie Medikamenten ist entscheidend für den Behandlungserfolg.

Welche Bedeutung hat das Gespräch zwischen Arzt und Patient für den Erfolg der Therapie?

Ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient ist das A und O für eine erfolgreiche Behandlung. Nur im intensiven regelmäßigen Gespräch kann langfristig ermittelt werden, was dem Patienten am besten hilft. Sehr wichtig für den Erfolg der Therapie ist außerdem, dass der Arzt dem Patienten eine Erklärung für seine Beschwerden bietet. Der Patient sollte von der prinzipiellen Harmlosigkeit seiner Beschwerden überzeugt werden. So kann sich auch das angespannte Verhältnis zwischen Darmhirn und Kopfhirn herunterregulieren, was zur Verminderung der Beschwerden beitragen kann.