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Expertenrat

Häufige Fragen und Antworten

Als Experte antwortet Prof. Dr. Jost Langhorst, Privatdozent und Darmexperte an der Universität Duisburg-Essen.

Ich habe Colitis ulcerosa und vertrage die Medikamente zur Erhaltung der Remission nur schlecht. Können pflanzliche Mittel hier eine Alternative sein? Manche pflanzliche Arzneimittel werden schon seit mehr als 50 Jahren zur Unterstützung der Magen-Darm-Funktion eingesetzt. Durch eine von 2008 bis 2010 durchgeführte Studie wurde für ein Phytotherapeutikum eine in der Praxis schon lange beobachtete Wirkung bei Colitis ulcerosa im Vergleich zu einem synthetischen Standardmedikament auch wissenschaftlich bewiesen. Im Rahmen der Studie nahmen erwachsene Colitis ulcerosa-Patienten in der schubfreien Phase über einen Zeitraum von zwölf Monaten dreimal täglich dieses pflanzliche Arzneimittel oder das Standardmedikament ein. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Krankheitsaktivität, die Rückfallquote und die Dauer bis zum ersten Rückfall nicht statistisch signifikant unterscheiden. Sie sollten mit Ihrem Arzt besprechen, ob in Ihrem Fall ein Therapieversuch mit einer solchen Heilpflanzenkombination sinnvoll ist. Pflanzliche Arzneien haben weniger Nebenwirkungen, schädigen nicht die Darmflora und sind daher auch für eine Langzeitanwendung gut geeignet.

Ich leide seit vielen Jahren unter dem Reizdarm-Syndrom. Wie kann ich die Krankheit ein für alle mal in den Griff bekommen? Das Reizdarmsyndrom ist eine komplexe Erkrankung, verschiedene Faktoren können in der Entstehung von Bedeutung sein. Die Therapie richtet sich nach den jeweils vorherrschenden Beschwerden und umfasst unter anderem Diät, Medikamente und Psychotherapie. Im Rahmen der Diät sollen vor allem stark blähende Lebensmittel gemieden werden. Außerdem ist es sinnvoll, mehrere kleine Portionen zu verzehren statt wenige große. Zur Stressbewältigung haben sich progressive Muskelentspannung und autogenes Training bewährt. Medikamentös können pflanzliche Präparate je nach den vorherrschenden Beschwerden eingesetzt werden. Medikamente wie krampflösende Mittel, Durchfallpräparate oder Schmerzmittel sollten nur zeitlich begrenzt zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden. Häufig helfen außerdem naturheilkundliche Selbsthilfestrategien. Bei adäquater Behandlung sind etwa 50 Prozent der Betroffenen nach fünf Jahren beschwerdefrei.

Was versteht man unter dem Leaky Gut Syndrom? Damit bezeichnet man eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut (Leaky Gut Syndrom). Durch falsche Ernährung, Schadstoffe, Arzneimittel oder Infektionen kann sich die Darmschleimhaut entzünden und bei anhaltender Belastung mit der Zeit durchlässig für Giftstoffe und Allergene werden, die sie im gesunden Zustand abgefangen hätte. Allergene können jetzt vermehrt die Darmwand durchdringen und so Nahrungsmittelallergien auslösen oder Einfluss auf den Verlauf anderer Erkrankungen wie Asthma, Hauterkrankungen oder Arthritis nehmen.

Ganz plötzlich vertrage ich bestimmte Lebensmittel nicht mehr. Früher hatte ich da nie Probleme, was jetzt? Plötzlich auftretende Nahrungsmittelunverträglichkeiten können die Folge einer gestörten Darmschleimhautbarriere sein. In diesem Fall sollte die geschädigte Darmwand wieder stabilisiert werden. Das kann zum Beispiel durch die Zufuhr so genannter Probiotika erreicht werden, die Bakterien zur Stabilisierung der Darmflora enthalten. Es ist außerdem sinnvoll, nur Nahrungsmittel zu verzehren, die im Darm nicht zu Gärungsprozessen oder Blähungen führen. Der Zuckerkonsum sollte auf ein Minimum reduziert, Konservierungsstoffe, Kohl und Hülsenfrüchte sollten nur in Maßen verzehrt werden.

Ich leide sehr oft unter Blähungen und Bauchkrämpfen. Was kann ich dagegen tun? Zunächst sollten Sie von einem Arzt prüfen lassen, ob sich hinter Ihren Be¬schwerden eine relevante Erkrankung wie zum Beispiel ein Malabsorptionssyndrom (Lactose, Fructose, Sorbit) ein Reizmagen, Reizdarm oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit verbirgt. Ist dies nicht der Fall, sind Ihre Symptome vermutlich durch eine falsche Ernährung bedingt. Dann kann eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten eine deutliche Besserung bringen. Bevorzugen Sie leicht verdauliche Speisen und meiden Sie blähende Nah¬rungsmittel wie Kohl oder Hülsen¬früchte. Gutes Kauen trägt zusätzlich dazu bei, die Gasentwicklung im Darm zu verringern. Auch re¬gelmäßige Bewegung und leichte Massagen des Unterbauches bringen den Darm in Schwung und können so die Beschwerden lindern. Hilfreich sind häufig Kräutertees (Anis, Fenchel, Kümmel, Ingwer).

Ich benötige öfter Antibiotika und leide dadurch mehrmals im Jahr unter Darmpilzinfektionen. Was kann ich tun? Viele Patienten leiden nach einer Antibiotika-Therapie (siehe auch www.pflanzliche-antibiotika.de) unter einer Pilzerkrankung. Denn Antibiotika wirken nicht nur gegen die Krankheitserreger, sondern schädigen auch häufig die Darmflora. Ist das natürliche Gleichgewicht im Darm gestört, ist es für Pilze leicht, sich ungehindert auszubreiten. Zur Behandlung von Darmpilzinfektionen werden so genannte Antimykotika, Medikamente gegen Pilze, eingesetzt. Außerdem wird empfohlen, wenig Zucker und viel Ballaststoffe zu verzehren. Bakterienpräparate können helfen, die natürliche Darmflora wieder aufzubauen. Verschiedene Heilpflanzen wie Myrrhe, Teebaumöl oder Kapuzinerkresse besitzen pilzhemmende Eigenschaften und können schon während der Antibiotika-Therapie vorbeugend eingenommen werden.

Was empfehlen Sie bei Durchfallerkrankungen, warum sollte man die so genannten Durchfallstopper meiden? Medikamente, die den akuten Durchfall stoppen, sind nur bei starken Beschwerden sinnvoll. Der gefährliche Wasserverlust wird so gebremst, aber auch die Ausscheidung von Krankheitserregern behindert. Ein großer Wasserverlust kann vor allem bei Kindern und älteren Menschen zu Kreislaufversagen führen. Um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen, können so genannte Elektrolytpulver eingesetzt werden, die mit einer bestimmten Menge Wasser gemischt werden müssen. Sie enthalten die Salze, die der Körper braucht, in der richtigen Zusammensetzung.

Ich reise demnächst wieder nach Asien und habe dort oft mit Durchfallerkrankungen zu kämpfen. Wie kann ich dem optimal vorbeugen? Um Reisedurchfall vorzubeugen, gilt beim Verzehr von Lebensmitteln die Devise: Gare es, schäle es oder verzichte darauf. In vielen Reiseländern sind Leitungswasser, ungekochtes Gemüse oder ungeschältes Obst verunreinigt. Getränke sollten nur aus verschlossenen Flaschen getrunken werden, Eiswürfel sind zu meiden. Außerdem wird empfohlen, sich nach jedem Toilettengang gründlich die Hände zu waschen.